Eschweiler Nachrichten, 23.12.2011
Es ist wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest für alle, die in den Caritas-Behindertenwerkstätten arbeiten.
Der Freitagmorgen begann für die Menschen der Werkstätten mit einem Gottesdienst, der für sie etwas ganz besonderes war. Alle versammelten sich in der Kirche St. Michael, um an der Weihnachtsmesse teilzunehmen. Von den Behinderten selbst gestaltet. Durch ihr tatkräftiges Mitwirken bekam die Messfeier eine ganz besondere Wirkung. Nach der Begrüßung durch Pfarrer Dr. Andreas Frick und den ersten Weihnachtlichen Liedern, lasen Michael Kowalski und Monika Quinders das Weihnachtsevangelium. Die Fürbitten wurden von Ulla Schaaf, Edith Hilgers, Betül Özdemir, Susanne Maaßen und Monika Sonnenberg vorgetragen. Pastor Frick achtete dabei darauf. Ein Höhepunkt der Messe war wohl das Krippenspiel. Schon Wochen vorher probten die Schauspieler für ihren Auftritt.
Zusammen mit Dorota Okwieka vom sozialen Dienst im Caritas-Behindertenwerk übten sie ihre Texte und spielten die Szenen durch. «Alle waren schon sehr aufgeregt und haben sich riesig auf ihren Auftritt gefreut.», erzählte Okwieka und deutete auf die stolze Gruppe. Und natürlich gab es für die Darsteller, die die Weihnachtsgeschichte nachspielten, großen Applaus.Auch die Messdiener Tobias Fechter, Irmgard Engels, Christoph Mergelsberg und Wilfried Wirtz, die ebenfalls zum Werk gehören, machten ihre Aufgabe sehr gut.
«Diese Messfeier ist etwas ganz Besonderes. Für mich beginnt mit diesem Morgen Weihnachten», betonte Pfarrer Dr. Frick. «Die Menschen sind ganz wunderbar und der Gottesdienst wird durch sie ehrlich und vor allem innig.» Seit fünf Jahren gestaltet er mit Mitarbeitern des Caritas-Werkes eine Weihnachtsmesse.
Nach der Messe ging es zurück in die Werkstätten. Dort fand ein gemeinsames Weihnachtsfrühstück statt, bei dem alle 360 Beschäftigten zusammenkamen. Nach dem Frühstück ging es zurück in die Arbeitsgruppen. Dort verbrachten alle den restlichen Vormittag in ihren Werkstätten und konnten eine kleine Weihnachtsfeier in ihrem gewohnten Umfeld individuell gestalten. Zu den Menschen mit Schwerst-Mehrfachbehinderung kam Pfarrer Dr. Frick persönlich und feierte mit ihnen noch einmal einen zweiten Gottesdienst.
Fredi Gärtner, Leitung sozialer Dienst, ging mit Edith Kruska und Hubert Schüller aus dem Elternbeirat und seinen beiden Söhnen in die verschiedenen Werkstätten. Die einzelnen Gruppen freuten sich schon auf seine Ankunft. Überall wartete ein anderes Programm: In der Druckerei saßen die Menschen mit Gruppensprecher Michael Kowalski zusammen oder spielten Dart. In der Gartenabteilung ging es ausgelassener her: Dort waren der Weihnachtsmann und Hans Muff zu Besuch. Denn am Tag der Weihnachtsfeier gibt es noch eine weitere Besonderheit für die Menschen mit Behinderung.
«Jeder Gruppenleiter darf jedem seiner Mitarbeiter für 25 Euro ein kleines Geschenk machen», verriet Fredi Gärtner. Und auf dieses Geschenk freuen sich natürlich alle. Denn die emotionale Nähe und Verständnis sind für einen behinderten Menschen das Wichtigste ist. Erst Recht an Weihnachten.

Di, 1. Nov. 2011
Eschweiler Zeitung / Die Seite drei AZ / Seite 3
Von Erfolgserlebnissen und zufriedenen Kunden
Unternehmen aus der Region greifen gerne auf die Leistungen von Werkstätten für behinderte Menschen zurück. Zum Beispiel bei der Caritas in Eschweiler.
Von Heike Eisenmenger
Eschweiler. Christoph liebt seine Arbeit: „Ich rette Leben“, sagt er und strahlt.
Der 19-Jährige ist geistig behindert. Er arbeitet in der Werkstatt der Caritas Behindertenwerk GmbH in Eschweiler. In dem Bereich, in dem Christoph eingesetzt ist, wird penibel auf Hygiene geachtet:
In einem sogenannten Reinraum fertigt er medizinisches Zubehör.
Zu den Kunden aus dem medizinischen Sektor gehören die Firmen West Pharmaceutical Services Eschweiler und die Firma Vygon aus Aachen, beide sind weltweit tätig.
Im Auftrag der Unternehmen fertigen Christoph und seine Kollegen aus Einzelteilen Glas- und Kunststoffpipetten sowie andere Klinikartikel. Mehr als tausend Beschäftigte arbeiten in den sechs Werkstätten des Caritas Behindertenwerks, die sich auf fünf Standorte in der Städteregion verteilen.
Gisela Bungart ist für den Vertrieb zuständig. „Die Caritas kennt jeder, aber was wir genau machen, wissen die Wenigsten“, sagt sie während des Rundgangs durch die Werkstatt an der Aachener Straße.
Den Begriff Behindertenwerkstatt verbinden viele mit einem negativen Bild. Eines, das Behinderte beim Nadelsortieren oder einer ähnlich monotonen Arbeit zeigt und eher an „verwahren“ als an eine erfüllende Tätigkeit erinnert. Der Arbeitsalltag in der Caritas-Behindertenwerkstatt jedoch hat nichts mit Verwahren gemein. Das wird beim Rundgang durch die Einrichtung in Eschweiler klar. Dieser führt durch unterschiedliche Werkstattbereiche, auch in den Reinraum mit den strengen Hygienevorschriften, wo für den medizinischen Bedarf produziert wird und in eine „Waschstraße“. Dort werden Backwagen und Backbleche für Bäckereien gereinigt. Besichtigt wird auch die Druckerei. Die Bereiche Metallverarbeitung, Holzverarbeitung, Landschaftspflege, Büroarbeiten, Wäscherei, Montage und Verpackung und Elektronik komplettieren das Leistungspaket. Den Reinraum, den man nur mit Haarhaube, Kittel und Schutzbezügen über den Straßenschuhen betreten darf, sieht die Caritas als eine Investition in die Zukunft. Und das in jeder Beziehung. Die Aufträge sind Zeichen der Wertschätzung, sie stehen für gute Arbeit.
„Jeder Mensch hat den gleichen Anspruch auf ein Erfolgserlebnis“, sagt Christof Stormanns, Betriebsleiter der Caritas Behindertenwerk GmbH. Christoph hat im Reinraum jeden Tag ein Erfolgserlebnis. Der junge Mann liebt seine Arbeit und mag, „dass alles so schön sauber ist“. Er weiß um die Verantwortung, die er hat. „Entschuldigung, dass ich ihnen nicht die Hand gebe, aber das darf ich nicht – wegen der Bakterien“, erklärt er bei der Begrüßung. Es sind Bemerkungen wie diese oder Christophs Satz „Ich rette Leben“, die verraten, wie wichtig die Arbeit für ihn ist. Das Gefühl, wertvoll zu sein und auch, sich die kleinen und großen Wünsche im Leben zu erfüllen. Daniel aus der Druckerei möchte irgendwann eine eigene Wohnung haben. „Die Arbeit hier macht mich selbstständig“, sagt der 27-Jährige. Für die Leitung des Caritas Behindertenwerks bedeutet die Vereinbarkeit von sozialem Auftrag und Wirtschaftlichkeit eine Gratwanderung. Menschen mit Behinderung eine sinnvolle Arbeit anbieten zu können, sie einerseits zu fordern, andererseits nicht zu überfordern und gleichzeitig im Wettbewerb bestehen zu können, verlangt von allen Beteiligten Fingerspitzengefühl. Das Caritas Behindertenwerk konzentriert sich auf Unternehmen in der Region. Zu ihren Kunden zählt die Großbäckerei Nobis, für die sie Stikkenwagen reinigt. Diese Wagen, auf denen die Backwaren in die Öfen gerollt werden, müssen regelmäßig von Rußpartikeln befreit werden. Dafür wurde in der Werkstatt ein modernes Tauchbeckensystem installiert.

Einer der Hauptgründe, warum sich Michael Nobis für die Caritas-Behindertenwerkstatt entschieden hat, sind die kurzen Wege. „Jede Woche schicken wir eine große Anzahl Stikkenwagen zur Caritas“, sagt Nobis. „Als die Behindertenwerkstatt auf uns zukam, war ich positiv überrascht. “Das Preis-Leistungsverhältnis sei in Ordnung. „Vor allen Dingen aber ist die Qualität sehr gut und die logistische Nähe ist ein Segen.“ Natürlich spiele auch der soziale Gedanke eine Rolle, aber es sei keineswegs so, dass dies allein das tragende Argument für die Partnerschaft sei.
„Ab einer gewissen Größe muss ein Unternehmen einen vom Gesetzgeber festgelegten Prozentsatz schwerbehinderter Mitarbeiter vorweisen. Erreicht das Unternehmen die Quote nicht, müssen Ausgleichszahlungen geleistet werden.

Durch die Zusammenarbeit mit der Caritas erreichen wir die Quote“, erklärt Nobis. Bei Montage und Verpackung hat das Caritas Behindertenwerk eine Marktlücke für sich entdeckt: Wo vollautomatisierte Prozesse fehlen, zu teuer sind oder die erforderte Qualität nicht leisten, bietet sie ihr Know-how an. Manche Aufträge müssen komplett von Hand ausgeführt werden, andere wiederum benötigen eine Mischung aus Handarbeit und moderner Technik.
„Wir haben gerade in der Verpackungsindustrie einen guten Stand, weil in diesem Bereich oft Handarbeit erforderlich ist“, sagt Betriebsleiter Christof Stormanns. Die Ansprüche sind sehr unterschiedlich, aber auch die Schützlinge der Caritas haben unterschiedlich stark ausgeprägte geistige und körperliche Behinderungen. Mancher ist in der Lage, einen PC zu bedienen und komplizierte Abläufe zu stemmen, ein anderer kann nur einen einfachen Handgriff tun, aber jeder Einzelne ist ein Rädchen im Ganzen.
Die Frage, ob die Attraktivität der Caritas in erster Linie in einem niedrigen Preis liege, verneint der Betriebsleiter der Behindertenwerkstätten entschieden. „Wir müssen natürlich im Wettbewerb konkurrieren können, aber wir haben keinesfalls Dumpingpreise.“ Das bestätigen auch die Partnerfirmen.
Es sind die Nähe zum Standort und die Qualität, die die Caritas für West oder auch Vygon aus Aachen interessant machen. Die Qualitätssicherung ist bei einem Unternehmen, das für den Klinikbereich im Auftrag produziert, von elementarer Bedeutung. „Die Caritas erfüllt all unsere Qualitätsansprüche und verfügt über die Flexibilität, auch kleinere Projekte umzusetzen“, betont Stephan Griesser von West.

„Es ist aber vor allem die logistische Nähe zum Reinraum, die für uns als Unternehmen optimal ist.
Unsere Erfahrungen mit der Caritas-Behindertenwerkstatt sind in jeder Beziehung positiv“, zieht Griesser Bilanz. Die Zusammenarbeit mit den Firmen funktioniert so gut, dass man auf dem Weg ist, Mitarbeiter aus den Caritas-Werkstätten auch in den Firmen selbst einzusetzen. Was dazu beiträgt, das Miteinander nichtbehinderter und behinderter Menschen zu verbessern. Erste Erfolge stellen sich schon ein, Mitarbeiter der Firmen und Werkstätten lernen sich persönlich kennen, man tauscht sich aus.
Der Austausch ist sicherlich gut für das Produkt, aber ganz sicher auch für die Mitarbeiter, fürs Menschsein. Christoph freut diese Entwicklung jedenfalls sehr; er erzählt ja so gerne von seiner Arbeit, und dass er dazu beiträgt, Leben zu retten. Weitere Werkstätten in der Region der Internet-Plattform Werk-staetten-im-netz.de zufolge gibt es deutschlandweit etwa 719 anerkannte Hauptwerkstätten für behinderte Menschen. Dort waren im vergangenen Jahr über 284 000 Personen beschäftigt.
Neben der Caritas betreiben in der Region auch die Lebenshilfe, Prodia Kolping und Prospex Werkstätten für behinderte Menschen.
„Unsere Erfahrungen mit der Caritas Behindertenwerkstatt sind absolut positiv.“ Stephan Grießer Von West Pharmaceutical Services Eschweiler
„Wir haben gerade in der Verpackungsindustrie einen guten Stand, weil in diesem Bereich oft Handarbeit gefragt ist.“ Betriebsleiter der Caritas Behindertenwerk GmbH
Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Ausgabe 30 vom 24. Juli 2011

Eschweiler Nachrichten 20.07.2011

Eschweiler
Es war Christopher Mäusers großer Tag: Für den 18-jährigen Dürwisser stand die Entlassfeier an der Regenbogenschule, Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung, in Stolberg auf dem Programm. Jetzt kann der Jugendliche letztmals die Sommerferien genießen, bevor er ins Arbeitsleben startet.
Denn am 12. September beginnt Christopher Mäuser eine zweijährige Ausbildung in der Schreinerei der Caritas-Behindertenwerk GmbH.
«Unsere Aufgabe ist es, durch professionelle und passgenaue Hilfe Menschen mit Assistenzbedarf zur Teilhabe am Arbeitsleben zu befähigen und ihre Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen», erklärt Diplom-Sozialarbeiter Fredi Gärtner, Leiter des Sozialen Dienstes und Fachberater Berufliche Bildung der Caritas-Behindertenwerk-GmbH.
Und so gilt es, junge Menschen mit Behinderung nach Beendigung ihrer Schulpflicht genau dort abzuholen: in den Förderschulen der Städteregion. «Im Frühjahr gehen wir in die Schulen und suchen den Kontakt zu den Lehrern, die uns ihre Entlassschüler vorstellen. Dann laden wir die Schüler zu uns in die Werkstätten ein, sich bei uns schonmal umzuschauen», so Fredi Gärtner. «Wir sind in puncto Interessen und Befähigung der Schüler natürlich sehr auf die Informationen, die uns die Lehrer zukommen lassen, angewiesen», macht er deutlich. «Deshalb findet ein sehr intensiver Austausch statt.»
Im Fall von Christopher Mäuser mit dessen Klassenlehrer Kristoffer Klaassen. Der wies die Verantwortlichen auf das handwerkliche Geschick seines Schülers, das dieser wohl von seinem Vater, der gelernter Schreiner ist, geerbt hat, hin. «In den vergangenen beiden Schuljahren besuchen unsere Schüler die Berufspraxisstufe, in der der Fokus auf praxisorientiertes Arbeiten, aber auch auf die Lebensgestaltung des Schülers insgesamt ausgerichtet ist», betont der Pädagoge. «Zu den wichtigsten Elementen gehören die Praktika» So auch für Christopher Mäuser, der bereits zwei dreiwöchige Praktika in der Caritas-Behindertenwerk-GmbH absolvierte.
«Parallel dazu veranstalten wir Informationsabende für die Eltern oder gesetzlichen Betreuer unserer künftigen Auszubildenden, denn auch bei diesen sind natürlich Übergangsängste vorhanden», macht Ferdi Gärtner deutlich. Nach Abschluss der Praktika und der Informationsgespräche tritt dann der Fachausschuss, dem ein Fallmanager des Landschaftsverbands Rheinland als Kostenträger, ein Reha-Berater der Agentur für Arbeit sowie ein Vertreter der Caritas-Behindertenwerk-GmbH angehören, zusammen, um zu entscheiden, ob und wo ein Bewerber eingesetzt wird. Dabei ist zu beachten, dass die Abgänger der Regenbogenschule in Stolberg sowie der Roda-Schule in Herzogenrath einen rechtlichen Anspruch auf einen Werkstattplatz haben.
«Unser Ziel ist es, allen Bewerbern einen bedarfsgerechten und wohnortnahen Arbeitsplatz zu verschaffen», erklärt Karl Wertz, Leiter des Fachbereichs Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich. Zu Beginn der Ausbildung durchläuft jeder Auszubildende zunächst ein dreimonatiges Eingangsverfahren. «In dieser Zeit testen wir sowohl die geistigen Fähigkeiten, zum Beispiel, ob der Azubi in der Lage ist, zu lesen und zu schreiben, als auch die motorischen Fähigkeiten. Anschließend wird gemeinsam mit dem Bewerber überlegt, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. So besteht nach jeweils einem halben Jahr die Möglichkeit, in einen anderen Tätigkeitsbereich zu wechseln. Der Auszubildende hat also immer ein Mitspracherecht», verdeutlicht der Bereichsleiter.
Im Idealfall steht am Ende der zweijährigen Ausbildung die Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt. «Wobei dies natürlich nur im Einzelfall wirklich realistisch ist», räumt Ferdi Gärtner ein. Dies unterstreicht auch Kristoffer Klaassen: «Von unseren elf Entlassschülern erhält einer eine unterstützte Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt», so der Pädagoge.
Für Christopher Mäuser bedeutet der Eintritt ins Arbeitsleben jedoch einen wichtigen Schritt in eine größere Selbstständigkeit. Dies wurde auch beim Bewerbungsgespräch, an dem neben seinen Eltern, Ferdi Gärtner und Karl Wertz mit Claudia Schönborn auch die für den Sozialen Dienst in der Schreinerei der Caritas-Behindertenwerk GmbH verantwortliche Sozialpädagogin teilnahm, deutlich. Denn der zukünftige Auszubildende wird nun ein eigenes Konto einrichten, schließlich verdient er nach den Ferien Geld.
Vier Tage pro Woche wird er ab dem 12. September im Werk VI in der Weisweiler Max-Planck-Straße aktiv sein, an einem Tag pro Woche steht Unterricht im Werk I an der Aachener Straße auf dem Programm. Das Ziel: dem Vater nachzueifern. Er möchte also eine Schreinerlehre abschließen.
Eschweiler Nachrichten 09.06.2011

Eschweiler
Im Frühjahr 2009 wurden zwischen dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Kostenträger und der Caritas-Behindertenwerk-GmbH neue Zielvereinbarungen geschlossen.
Eine davon lautete, die Zahl der Übergänge von Mitarbeitern der GmbH auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt zu erhöhen.
Leichter gesagt als getan! Doch nach nun über zwei Jahren sind erste Erfolge zu vermelden.
Das «Idealziel», nämlich die Vermittlung in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis, konnte zwar erst einmal erreicht werden, doch insgesamt 15 betriebsintegrierte Arbeitsplätze, bei denen das Beschäftigungsverhältnis des Menschen mit Behinderung mit der Caritas-Behindertenwerk GmbH bestehen bleibt, er aber in einem Betrieb des ersten Arbeitsmarktes einer Tätigkeit nachgeht, zeigen, dass der eingeschlagene Weg ein vielversprechender ist.
Darüber hinaus absolvieren zur Zeit einige Mitarbeiter der Caritas-Behindertenwerk-GmbH vier- bis achtwöchige Praktika in verschiedenen Betrieben.
Gleich drei Menschen mit Behinderung sind momentan im St.-Antonius-Hospital beschäftigt:
Hans-Jürgen Zeyen, der eine psychische Behinderung aufweist, nimmt einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz ein und organisiert bereits seit zwei Jahren den Transport der Versorgungswagen mit den Mahlzeiten der Patienten von der Küche auf die Stationen. Auch die Praktikanten Philipp Juan Gomez und Patrick Gottwald gehören zum Küchenpersonal des Krankenhauses. Die beiden, die zuvor in den Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung arbeiteten, säubern nun die Speisen- und Transportbehälter.
«Wichtig ist, dass diese Projekte keine Arbeitsvermittlung um jeden Preis, sondern eine Förderung der Menschen mit Behinderung darstellen», betont Rainer Bonk. Der Integrationsassistent der Caritas-Behindertenwerk GmbH fungiert in seiner Funktion als Vermittler zwischen dem Mitarbeiter und den Verantwortlichen des Betriebs.
«Nach zuvor erfolgten Zielvereinbarungsgesprächen mit unseren Beschäftigten knüpfe ich Kontakte mit den Betrieben, sehe mir die Gegebenheiten vor Ort an und suche Anbindungsmöglichkeiten. Ich begleite unsere Beschäftigten von der Kontaktaufnahme bis zur Aufnahme eines festen Arbeitsverhältnisses.»
Welches natürlich nicht immer zustande kommt. «Einige unsere Mitarbeiter überschätzen sich. Unsere Aufgabe lautet deshalb, genau hinzuschauen», so Rainer Bonk.
Dies unterstreicht auch Fredi Gärtner, Leiter des Sozialen Dienstes und der Fachberatung Berufliche Bildung bei der Caritas-Behindertenwerk GmbH. «Unser Ansatz ist personenbezogen und individuell. Der Anspruch an uns, unsere Mitarbeiter zu fördern, ist richtig. Doch dabei muss immer der Wille des Beschäftigten berücksichtigt werden», so der Diplom-Sozialarbeiter.
Der Wille von Philipp Juan Gomez war, ein Praktikum im St.-Antonius-Hospital zu absolvieren. Der 30-Jährige, der im Caritas-Wohnheim an der Odilienstraße zu Hause ist, arbeitete zuvor auf dem Lohner Hof sowie in der Garten- beziehungsweise der Montage- und Verpackungsabteilung der Caritas-Behindertenwerk GmbH.
«Dann hat mich mein Betreuer gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein Praktikum außerhalb der Werkstätten zu beginnen. Ich habe zugestimmt, schließlich ist es langweilig, nur zu Hause rumzuhängen», erklärt er hochmotiviert. Die Akzeptanz bei den übrigen Mitarbeitern sei auf jeden Fall vorhanden, bestätigt Christian Hack. «Sehr wichtig ist es, die Menschen mit Behinderung wie in einem Team, einer Familie aufzunehmen», so der Betriebsleiter Küche des St.-Antonius-Hospitals, der Zustimmung von Fredi Gärtner erhält. «Es geht zunächst nicht in erster Linie um das Fachliche. Das soziale Umfeld muss stimmen.»
Doch niemand der am Projekt Beteiligten vergisst, dass es hier um die Vermittlung von Arbeitsplätzen, nicht von Verwahrstellen, geht.
«Die Menschen mit Behinderung müssen die Rahmenbedingungen erfüllen, also auch Leistung bringen», lässt Fredi Gärtner keine Zweifel aufkommen. Denn nur so sind Firmen und Betriebe bereit, den Mitarbeitern der Caritas-Behindertenwerk GmbH einen Arbeitsplatz zu geben. «Wir sind darauf angewiesen, Partner zu finden. Wir können noch so viele Ideen entwickeln, ohne die Betriebe geht es nicht», weiß der Leiter Soziale Dienste.
Vor dem festen Job steht erst einmal ein Praktikum
Betriebsintegrierte Arbeitsplätze sind Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in Betrieben oder Institutionen des ersten Arbeitsmarktes. Langfristiges Ziel ist die Integration in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das Beschäftigungsverhältnis mit der Caritas-Behindertenwerk GmbH bleibt für den Menschen mit Behinderung erhalten. Er wird weiterhin von der GmbH versichert und bezahlt.
Jeder Integration auf einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz ist zunächst ein Praktikum vorgeschaltet.
Die momentan 15 betriebsintegrierten Arbeitsplätze bei der Caritas-Behindertenwerk GmbH werden von neun Menschen mit psychischer und sechs Menschen mit geistiger Behinderung eingenommen.
Eschweiler Nachrichten 09.06.2011

Eschweiler
Man sieht sie immer weniger - junge Männer, die den Dienst am Bürger leisten.
Zivis gehören inzwischen zu einer aussterbenden Art. Denn mit dem Aussetzen der Wehrpflicht wird auch dem Zivildienst der Zapfenstreich geblasen.
«Das ist wirklich sehr schade. Denn ich selbst möchte diese Erfahrung nicht missen», sagt Waldemar Ewald. Der 23-Jährige ist derzeit noch Zivildienstleistender im Behindertenwerk der Caritas in Eschweiler. Und er ist der letzte seiner Art in dieser Einrichtung.
Alle anderen Zivis haben ihren Dienst beendet - und nach ihnen kommt nichts mehr. Das findet Waldemar schade: «Mir hat die Arbeit mit den Menschen hier so viel Spaß gemacht, dass ich noch um drei Monate verlängert habe», sagt er. Doch in wenigen Wochen ist auch für ihn endgültig Schluss mit dem Dienst am Bürger.
Eine Einrichtung wie das Behindertenwerk treffe die Abschaffung des Zivildienstes stark, denn die jungen Männer waren stets ein zusätzliches Standbein, sagt David Göser vom Caritas-Behindertenwerk. Zwar sei die Anzahl der Zivildienstleistenden in den vergangenen Jahren stark gesunken, doch haben immer noch durchschnittlich acht bis zehn Zivis in dem Werk in Eschweiler jährlich ihren Dienst abgeleistet - und die fehlen jetzt. «Wir versuchen die wegfallenden Zivi-Stellen aufzufangen, beispielsweise durch junge Menschen, die ein Freiwillige Soziales Jahr bei uns machen», erklärt Göser.
Trotzdem: In jedem Falle sei man aber auf Freiwillige angewiesen. Deshalb hofft er jetzt auf viel Hilfe durch den Bundesfreiwilligendienst. «Gemeldet hat sich dafür bislang aber noch niemand bei uns. Und auch wir können noch nicht gezielt werben, weil die Regelungen für den Bundesfreiwilligendienst noch sehr schwammig sind», kritisiert er. Nähere Informationen erwartet er für die kommende Woche. Dann kann er Interessierten auch etwas Konkretes sagen. «Glücklicherweise fallenwir auch ohne die Zivis in kein tiefes Loch, weil wir personell doch ziemlich gut aufgestellt sind.
Ablauf erleichtert
Aber mit den Zivis war es ein Stück weit leichter. Sie haben den Tagesablauf sehr erleichtert», betont Göser. Das findet auch Elmar Wagenbach, Geschäftsführer des St.-Antonius-Hospitals. «Sicher fehlen auch bei uns die Zivis. Schließlich war der Dienst für die jungen Männer keine Beschäftigungstherapie, um die Zeit totzuschlagen. Sie haben schon gut mit angepackt, sozusagen helfende Hände, auf die man nur ungern verzichtet», sagt er.
Die Aufgabeschwerpunkt der jungen Menschen lag im Krankenhaus in der Unterstützung des Pflegepersonals. «Die Arbeit, die die Zivis nun nicht mehr übernehmen, bleibt am Pflegepersonal hängen, wenn sich nicht genug Freiwillige finden lassen oder es kein Ersatzbudget für die Anstellung zusätzlicher Pflegekräfte gibt.» Und das würden auch die Patienten früher oder später merken. Sorge, dass das Krankenhaus zusammenbricht, die müsse sich aber keiner machen - immerhin sei die Arbeit der Zivis «nur» Unterstützungsarbeit gewesen.
Auch Klaus Thiede von der Senioreneinrichtung Sentel findet die Abschaffung des Zivildienstes schade, jedoch für seine Einrichtung nicht schmerzlich. «Wir haben den Zivildienst nebenher laufen lassen - in der Regel hatten wir ohnehin nur zwei Zivis beschäftigt», sagt er. Im Arbeitsablauf merkt man den Verlust der Zivildienstleistenden nicht - die Bewohner allerdings vermissen sie schon. «Die Ausflüge der Senioren durch die Stadt werden jetzt vermutlich weniger werden. Das ist sehr schade», sagt er.
Damit die Bewohner aber dennoch nicht auf ihre beliebten Ausflüge verzichten müssen, habe man die Beschäftigungstherapie aufgestockt. Dennoch - für viele Menschen bleiben die Zivis wohl auch in Zukunft unersetzbar.

Aachener Nachrichten 15.04.2011
Eschweiler. Mobilität gehört heutzutage zu den wichtigsten Voraussetzungen, die ein Arbeitnehmer erfüllen sollte. Dies gilt auch für Menschen mit Behinderung. Die Caritas Behindertenwerk GmbH stellt momentan in ihren sechs Werkstätten in Eschweiler, Alsdorf, Würselen und Imgenbroich insgesamt 1006 Personen einen Arbeitsplatz zur Verfügung.
Seit zwei Jahren ist eines der Ziele, möglichst viele der Behinderten fit für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu machen.
Stichwort: Inklusion. Ist es gelungen, einen behinderten Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren, besteht für diesen aber nicht selten das Problem, den neuen Arbeitsplatz zu erreichen. Deshalb steht unter anderem die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf dem Lehrplan. Eine andere Möglichkeit: Die behinderten Menschen erwerben einen Führerschein. Seit einiger Zeit besteht zwischen der Caritas Behindertenwerk GmbH und der Eschweiler Fahrschule Seeger eine Kooperation. Am Mittwoch begann der zweite Vorbereitungskurs. Acht Behinderte der Caritas erhalten die Chance, größtmögliche Mobilität zu erlangen. Die Zielsetzung reicht zunächst vom Mofa- bis zum PKW-Führerschein.
«Eine unserer Hauptaufgaben ist es, den Behinderten berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Es gilt, sie ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben haben wir uns auf die Fahne geschrieben», erklärt Fredi Gärtner, Leitung Sozialer Dienst und Berufliche Bildung. In der Schreinerei, Gärtnerei und Druckerei der Caritas Behindertenwerk GmbH seien Personen tätig, die das Potenzial hätten, in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts zu arbeiten. Doch die Frage, wie die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz erreichen, stelle oft eine Hürde dar.
«Natürlich ist der Erwerb eines Führerscheins für einen Behinderten eine hohe Messlatte», weiß Fredi Gärtner. Doch Beispiele zeigen, dass es möglich ist. So sind zwei der 1006 Mitarbeiter im Besitz eines PKW-Führerscheins, ein weiterer, der bei einem Landwirt arbeitet, ist berechtigt, einen Traktor zu fahren.
Ob ein solches Ergebnis am Ende des nun begonnenen Kurses stehen wird, bleibt abzuwarten. Zunächst wird Fahrlehrer Harald Seeger an vier Terminen die acht Anwärter unterrichten. «Danach wird es von ihm Rückmeldungen geben», blickt Fredi Gärtner nach vorne. Der Fahrlehrer selbst ist durchaus zuversichtlich. «Es hat sich herausgestellt, dass gerade im theoretischen Teil viel Zeit und Geduld erforderlich sind. Manche der Kursteilnehmer geben auch noch kurz vor dem Ziel auf», bedauert Harald Seeger. «Doch bei ausreichendem Durchhaltevermögen sind Erfolge möglich.»
Neben ausführlicher theoretischer Schulung wird auch die Zahl der praktischen Übungsstunden in Sachen Mofaführerschein deutlich höher sein als bei nicht behinderten Menschen. So sind zwischen 10 und 20 Stunden angesetzt. «Wichtig ist beim Thema Inklusion vor allem, dass der Mensch und die richtige Einschätzung seiner Fähigkeiten im Vordergrund stehen. Bei den Zielvereinbarungen, die wir mit den behinderten Menschen treffen, hat oberste Priorität, die Personen ernst zu nehmen», unterstreicht Fredi Gärtner abschließend.(ran/sar)
Alternative zu Bus und Bahn
Stichwort: Inklusion. Ist es gelungen, einen behinderten Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren, besteht für diesen aber nicht selten das Problem, den neuen Arbeitsplatz zu erreichen. Deshalb steht unter anderem die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf dem Lehrplan. Eine andere Möglichkeit: Die behinderten Menschen erwerben einen Führerschein. Seit einiger Zeit besteht zwischen der Caritas Behindertenwerk GmbH und der Eschweiler Fahrschule Seeger eine Kooperation. Am Mittwoch begann der zweite Vorbereitungskurs. Acht Behinderte der Caritas erhalten die Chance, größtmögliche Mobilität zu erlangen. Die Zielsetzung reicht zunächst vom Mofa- bis zum Pkw-Führerschein.
«Eine unserer Hauptaufgaben ist es, den Behinderten berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Es gilt, sie ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben haben wir uns auf die Fahne geschrieben», erklärt Fredi Gärtner, Leitung Sozialer Dienst und Berufliche Bildung. In der Schreinerei, Gärtnerei und Druckerei der Caritas Behindertenwerk GmbH seien Personen tätig, die das Potenzial hätten, in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts zu arbeiten. Doch die Frage, wie die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz erreichen, stelle oft eine Hürde dar.
«Natürlich ist der Erwerb eines Führerscheins für einen Behinderten eine hohe Messlatte», weiß Fredi Gärtner. Doch Beispiele zeigen, dass es möglich ist. So sind zwei der 1006 Mitarbeiter im Besitz eines Pkw-Führerscheins, ein weiterer, der bei einem Landwirt arbeitet, ist berechtigt, einen Traktor zu fahren.
Ob ein solches Ergebnis am Ende des nun begonnenen Kurses stehen wird, bleibt abzuwarten. Zunächst wird Fahrlehrer Harald Seeger an vier Terminen die acht Anwärter unterrichten. «Danach wird es von ihm Rückmeldungen geben», blickt Fredi Gärtner nach vorne. Der Fahrlehrer selbst ist durchaus zuversichtlich. «Es hat sich herausgestellt, dass gerade im theoretischen Teil viel Zeit und Geduld erforderlich sind. Manche der Kursteilnehmer geben auch noch kurz vor dem Ziel auf», bedauert Harald Seeger. «Doch bei ausreichendem Durchhaltevermögen sind Erfolge möglich.»
Neben ausführlicher theoretischer Schulung wird auch die Zahl der praktischen Übungsstunden in Sachen Mofaführerschein deutlich höher sein als bei nicht behinderten Menschen. So sind zwischen 10 und 20 Stunden angesetzt. «Wichtig ist beim Thema Inklusion vor allem, dass der Mensch und die richtige Einschätzung seiner Fähigkeiten im Vordergrund stehen. Bei den Zielvereinbarungen, die wir mit den behinderten Menschen treffen, hat oberste Priorität, die Personen ernst zu nehmen», unterstreicht Fredi Gärtner abschließend.

Di, 8. Feb. 2011
Eschweiler Zeitung / Anzeigen / Seite 22
Szenenapplaus auch für die gegenerischen Spieler
Weisweiler und Eschweiler lange punktgleich. Packendes Endspiel: Andreas Kunze macht für sein Team alles klar. Medaillen für alle drei Mannschaften.
Eschweiler. So mancher Hobbyspieler hätte bei diesem Turnier seine liebe Mühe gehabt. Zum zwölften Mal standen sich die Tischtennis-Teams der Caritas-Werkstätten an der Platte gegenüber und bewiesen eindrucksvoll, dass das regelmäßige Training gefruchtet hat. Drei der sechs Werkstätten der Caritas-Behindertenwerk GmbH waren mit ihren Mannschaften im Werk an der Aachener Straße angetreten, um den Turniersieger unter sich auszumachen. Die Spieler der drei Fünfer-Teams aus Alsdorf, Weisweiler und Eschweiler lieferten sich zum Teil packende Duelle mit langen, schönen Ballwechseln.
Neben Fußball und Schwimmen gehört auch Tischtennis zum breitgefächerten Sportangebot, das die Mitarbeiter der Caritas-Werkstätten nach Dienstschluss nutzen können; Training ist einmal in der Woche. „Ein solches Angebot über die Arbeit hinaus ist für unsere Mitarbeiter sehr wichtig“, weiß Fredi Gärtner. Der Diplom-Sozialarbeiter ist Leiter des Sozialen Dienstes und organisiert unter Federführung des Behindertensportvereins der Caritas in jedem Jahr ein solches Turnier. Wie seine Kollegen Andrea Odinius (Werk Alsdorf) und Mario Otten (Werk Weisweiler) war er am Samstag in seiner Funktion als ehrenamtlicher Übungsleiter vor Ort, um seine Eschweiler Mannschaft zu unterstützen.
Mit Eifer und Ehrgeiz
Zwar gingen alle mit großem Eifer und Ehrgeiz zur Sache, doch gab es immer wieder auch fairen Szenenapplaus für Spieler der gegnerischen Mannschaft: Eine große Familie war an diesem Tag beisammen. Das zeigte sich auch darin, dass Gärtners Sohn Jan kurzfristig einsprang und das Weisweiler Team vervollständigte.
Die letzte Begegnung am Samstag zwischen Weisweiler und Eschweiler geriet zu einem richtigen Endspiel, denn beide Teams waren bis dato punktgleich. Und die Spannung hielt bis zum Schluss: Erst das letzte Duell, das Horst Rall (Weisweiler) und Andreas Kunze (Eschweiler) austrugen, sollte über den Turniersieg entscheiden. Unter großem Jubel machte Andreas Kunze schließlich mit zwei 11:4-Satzerfolgen alles für sein Eschweiler Team klar. Die Siegerehrung nahm Manfred Broßelt in seiner Eigenschaft als 1. Vorsitzender des Behindertensportvereins vor. Broßelt, der Betriebsleiter in Alsdorf ist und das Turnier aufmerksam verfolgt hatte, dankte allen für ihren Einsatz während der Freizeit und hängte den Spielern aller drei Mannschaften im Anschluss die verdienten Medaillen um.
Dank an die Küchenfee
Namentlich hob er Fredi Gärtner hervor, der das Turnier seit den Anfängen organisiert. Dieser wiederum nutze die Gelegenheit, einer Person für ihr Engagement zu danken: Elfriede Wiesen ist auch nach ihrer Pensionierung die gute Küchenfee und versorgte Spieler, Übungsleiter und Gäste mit Speis und Trank. Gärtner zog im Sinne aller ein Fazit und meinte: „Ich denke, wir haben heute schöne Spiele gesehen und alle gemeinsam viel Spaß gehabt.“ (mic)
«Behindert zu sein, ist normaler geworden»
Von Sarah Maria Berners, Eschweiler Nachrichten Di. 25.01.2011

Eschweiler. «Es ist traurig, wie wenig sich manche Eltern für ihre Kinder einsetzen. Viele kümmern sich einfach nicht», sagt Hubert Schüller kopfschüttelnd. «Aber das ist ja schon immer so gewesen.» Der 75-Jährige ist umso engagierter. Er gleicht den fehlenden Einsatz anderer aus, in dem er viele Funktionen auf einmal übernimmt.
Das war auch schon immer so. Als seine Schützlinge im Kindergarten waren, als sie auf die Schule gingen und auch heute noch, wo sie in der Caritas-Werkstatt arbeiten.
Hubert Schüller und seine Frau Inge haben fünf Kinder. Zwei von ihnen - Harald (48) und Thomas (36) - sind geistig behindert. Die Schüllers haben immer versucht, ihre Söhne bestmöglich zu unterstützen. Und dazu zählt für den engagierten Senior nicht nur die Betreuung in den eigenen vier Wänden. Auch im Angehörigenbeirat der Caritas-Werkstätten macht Hubert Schüller sich stark für seine «Burschen» - und natürlich für alle anderen behinderten Menschen. Wenn Schüller durch die Flure und Werkstatträume geht, hallen ihm aus allen Richtungen fröhliche Rufe entgegen. Seit 1987 ist Schüller im Beirat, sieht 1994 steht er ihm vor. Ihn kennt hier wirklich jeder.
Blick für Belange Behinderter
«Meine behinderten Söhne können ihre Position nicht selber vertreten. Also müssen wir uns als Eltern einmischen.» Nicht etwa, weil die Pädagogen und Sozialarbeiter in den Werkstätten keine gute Arbeit leisten würden. Sondern, weil Eltern nunmal einen anderen Blick für die Belange ihrer behinderten Kinder haben. Sie kennen den Alltag, das Leben mit behinderten Menschen so gut, wie kein anderer.
Schüller setzt sich auch ein, weil viele Aufgaben nicht von Hauptamtlichen erfüllt werden können. «Wer soll das schon bezahlen?», fragt Schüller. Also ist er es, der tagelang mit dem Bus unterwegs ist, wenn es dort für die Angestellten der Behindertenwerkstatt Probleme gibt. Also ist er es, der im Winterchaos und bei eisiger Kälte an der Bushaltestelle steht, bis er sicher sein kann, dass alle wohlbehalten Zuhause angekommen sind. Und er ist es, der gemeinsam mit den Hauptamtlichen Informationszettel für andere Eltern vorbereitet, wenn gesetzliche Änderungen vorliegen. Die Familie gibt ihm den Rückhalt.
«Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahrzehnten», erzählt Schüller und meint damit sowohl die Änderungen in den Werkstätten, als auch die in der Gesellschaft. «Früher haben manche Familien ihre behinderten Kinder versteckt, das tut heute zum Glück kaum jemand mehr.» Auch die Reaktionen auf der Straße hätten sich verändert. «Behindert zu sein, ist ein Stück weit normaler geworden», sagt Hubert Schüller.
Übel nimmt er den Menschen ihre Unsicherheit im Umgang mit Behinderten nicht. Viele wüssten einfach nicht, wie sie reagieren sollen, weil sie noch nie Kontakt zu behinderten Menschen hatten. Allerdings sei es wichtig, offen auf die Menschen zuzugehen, sie anzusprechen, ihnen Dinge zu erklären.
Die Veränderungen in den Gesellschaft und in den Werkstätten bedingen sich gegenseitig. Als die Werkstätten in Eschweiler ins Leben gerufen wurden, hatte die Caritas zunächst nur eine Etage in der Lederfabrik gemietet. So behindertengerecht wie heute, waren die Räume noch nicht ausgebaut. «Die Leute haben sich immer gegenseitig helfen müssen», erinnert sich der Rentner. Außerdem seien die Aufgaben noch nicht so vielfältig gewesen. «In den Anfängen haben wir hier hauptsächlich für Prym die Nadeln verpackt.»
Heute gibt es verschiedene, teilweise recht komplexe Aufgabengebiete, die Jobs sind besser zugeschnitten auf die Belange der Angestellten. Die Eltern merken, dass ihre Kinder Spaß an der Arbeit haben. Die Werkstätten sind für sie nicht nur ein Job. Dort treffen sie Freunde, dort finden sich Paare. «Das ist auch für uns Eltern sehr wichtig», sagt der Vater.
Manchmal tut den Eltern aber auch der Blick eines Fachmannes gut, der Blick eines Menschen, der etwas außerhalb steht. «Als zunehmend Maschinen in den Werkstätten eingesetzt wurden, waren wir Eltern skeptisch. Ab und an haben wir unsere Kinder auch unterschätzt», sagt Schüller.
Fachleute und Eltern im Dialog
Der Dialog zwischen Fachleuten und Eltern habe geholfen, viele Probleme anzupacken und zu meistern. Gemeinsam mit den Hauptamtlichen hat Schüller an einem Konzept für die Lohnzuweisung gearbeitet, und sie haben gemeinsam überlegt, wie die Urlaube am besten geregelt werden. «Zunächst hatten wir über Betriebsferien nachgedacht. Aber das hätte einige Eltern in schwierige Situationen gebracht», sagt Schüller. Also habe man das wieder verworfen - ein weiteres Beispiel dafür, dass der Blick aus der Perspektive der Eltern hilfreich ist.
Hubert Schüllers Sicht wird auch weiterhin gefragt sein, der 75-Jährige denkt noch lange nicht ans Aufhören. Mehr Unterstützter wünscht er sich dennoch. «Es wäre schön, wenn sich die Eltern, die es können, mehr für die Belange ihrer Kinder engagieren.» Aber am Ende sind es doch immer wieder dieselben. Und Hubert Schüller wird wieder dabei sein.
Am Samstag, 5. Februar, gibt es wieder ein Tischtennisturnier zwischen den Werkstätten. Die fünf besten Spieler jeder Werkstatt werden gegeneinander antreten.
Das Turnier wird in der Werkstatt in Eschweiler ausgetragen. Beginn ist um 9.30 Uhr. Ende gegen 14 Uhr.
Caritas-Behindertenwerk-GmbH zum Thema Inklusion
Der Film " Dabei sein! Von Anfang an "